Gedanken, Ideen, Skizzen | László Porrmann

  • thought leadership ist nur eine ecke

    Wer in seinem Feld etwas zu sagen hat, teilt seine Gedanken und benennt Entwicklungen. Thought Leadership macht sichtbar, dass jemand ein Thema wirklich durchdringen will.

    Trotzdem greift es häufig zu kurz. Das Wort verspricht Führung. Aber Führung heißt, dass jemand mitgeht. Gedanken allein bewegen niemanden. Sie informieren nur.

    Um Menschen zu Followern zu machen, braucht es mehr. Hier sehe ich drei Stufen, die im Zusammenspiel wirken.

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  • reagieren ist kein handeln

    Ich unterscheide drei Zustände: die Beobachtung, die Reaktion und die Aktion. Die meisten Menschen leben nur in einem davon, in der Reaktion. Und das ist der eigentliche Punkt: Im Wort steckt die Aktion, gemeint ist das Gegenteil. Wer reagiert, ist nicht aktiv. Er rennt den Dingen hinterher und nennt es Handeln.

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  • mehr arbeiten? wir lösen das falsche problem

    Seit Monaten wiederholt die Bundesregierung dieselbe Botschaft. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte beim CDU-Wirtschaftstag im Mai 2025, wir müssten in diesem Land wieder „mehr und vor allem effizienter arbeiten“, sonst sei der Wohlstand nicht zu halten. Vor der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau setzte er nach: die Arbeitsleistung der Volkswirtschaft sei „nicht hoch genug“. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche stößt ins selbe Horn. „Wir müssen mehr und länger arbeiten“, sagte sie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die Lebensarbeitszeit müsse steigen.

    Ich halte diese Diagnose für falsch. Wir müssen nicht mehr arbeiten. Wir müssen besser, effizienter und effektiver arbeiten. Und das liegt vor allem an den Prozessen.

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  • unternehmertum heißt: in minimaler, nicht maximaler unsicherheit entscheiden

    Es gibt ein verbreitetes Bild vom Unternehmer als jemand, der schnell entscheidet, gerne unter hoher Unsicherheit, weil er sich mutig ins Ungewisse wirft. Dieses Bild ist romantisch, aber falsch. Wer schnell unter maximaler Unsicherheit entscheidet, entscheidet vor allem schlecht. Die eigentliche Leistung des Unternehmertums liegt woanders.

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  • leistungsdruck ist ein oxymoron

    Das Wort Leistungsdruck ist ein Widerspruch in sich. Leistung entsteht selten unter Druck. Sprichwörter wie „unter Druck entstehen Diamanten“ sind weit hergeholte Bilder. Sie beschreiben, wie aus toter Materie über sehr lange Zeiträume und in Vergessenheit ein Zufallsprodukt werden kann. Mit Leistung hat das nichts zu tun. Druck erzeugt Härte und Widerstand, nicht Beweglichkeit.

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  • empörung braucht ein objekt

    In meiner Studienzeit gab es ein kleines Buch, das hieß Empört euch. Stéphane Hessel, ein knapper Text, große Wirkung. Das Buch selbst war vor allem ein Aufruf, ein Anstoß. Aber es hat in seiner Zeit etwas mitgetragen, das mir heute auffällt, weil es fehlt: die Idee, dass Empörung produktiv sein kann. Dass sie etwas sichtbar macht, dem eine Lautstärke gibt, das Gegenüber kurz in seinem Denken anhalten lässt. Empörung als Aufmerksamkeitsbewegung mit einer Richtung.

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  • was ki nicht kann. und warum das wichtiger ist, als das, was sie kann.

    Es gibt ein Paradox in der aktuellen KI-Debatte, das mich beschäftigt. Und je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird es.

    Die Tätigkeiten, die lange als „niedrig“ galten, körperliche Arbeit, Handwerk, Dinge von A nach B tragen, sind genau die, die KI am wenigsten ersetzen kann. Und die Tätigkeiten, die als „hoch“ galten, Texte schreiben, Bilder erstellen, Informationen zusammenfassen, werden gerade massenhaft automatisiert.

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  • ki benutze ich täglich. aber ich bestimme die richtung.

    Ich könnte auch ohne KI leben. Das musste ich bis vor wenigen Jahren auch. Aber heute will ich das gar nicht mehr. Denn sie nimmt mir Arbeit ab. Sie hilft mir dabei, Gedanken zu ordnen, die ich vorher zwar gedacht, aber noch nicht strukturiert und teilweise sogar verloren hatte.

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  • die zukunft gehört dem imperfekten

    Was bleibt vom Menschen, wenn KI alles optimiert hat?

    Irgendwann werden wir ein dadaistisches Sammelsurium von generischem Mist haben. Inhalte, die KI erstellt. Für KI. Damit KI sie konsumiert. Ein geschlossenes System, das sich selbst bespielt und den Menschen vergisst.

    Kein Konsument mehr. Kein Produzent. Kein Prosument.

    Was ist dann die Aufgabe des Menschen in diesem System?

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  • warum sprache in der ki-ära wichtiger wird

    Es gibt die Annahme, dass Sprache an Bedeutung verliert, je mächtiger KI-Werkzeuge werden. Schließlich übernimmt die Maschine das Formulieren. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Wer mit KI arbeitet, braucht ein präziseres Sprachgefühl als zuvor. Und Unternehmen werden Menschen brauchen, die genau das mitbringen.

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