Das Wort Leistungsdruck ist ein Widerspruch in sich. Leistung entsteht selten unter Druck. Sprichwörter wie „unter Druck entstehen Diamanten“ sind weit hergeholte Bilder. Sie beschreiben, wie aus toter Materie über sehr lange Zeiträume und in Vergessenheit ein Zufallsprodukt werden kann. Mit Leistung hat das nichts zu tun. Druck erzeugt Härte und Widerstand, nicht Beweglichkeit.
Was Leistung wirklich hervorbringt, ist Freiheit, Lockerheit und Beweglichkeit. Wer schon einmal Spitzensportler in einer Hochleistungssituation erlebt hat, kann genau das beobachten. Über Rituale und bestimmte Übungen bringt man sich im Moment der größten Anstrengung dazu, möglichst druckfrei und locker zu sein. Das Zusammenspiel aus Anspannung und Entspannung ist dann vom eigenen Willen getragen und nicht von außen „aufgedrückt“.
die krankheit der gleichsetzung
Dass das Wort Leistungsdruck heute fast als Voraussetzung für das Entstehen von Ergebnissen oder das Einhalten von Deadlines genutzt wird, ist eine große Krankheit unserer Zeit. Die verbreitete Annahme lautet, dass mit genug Druck schon das Richtige entsteht. Dabei ist das Gegenteil der Fall.
Druck grenzt ein. Und wer eingegrenzt wird, wird gleichzeitig aus anderen Systemen ausgegerenzt. Druck führt nicht zur Freiheit, sondern zur Ermüdung.
Statt sich auf den Ablauf zu konzentrieren, konzentriert man sich auf die erwartete Choreografie, also auf das Bild, das nach außen erscheint und das von anderen beurteilt wird. Die Aufmerksamkeit verlagert sich vom Tun ins Beurteiltwerden.
zug statt druck
Was es braucht, ist Zug. Ein Öffnen des Raums, ein Befreien vom Druck hin zu einem Wollen, das dem Leistungsträger innewohnt.
Schon der Begriff sagt es: Der Leistungsträger ist es, der über die Leistung bestimmt, nicht das Außen. Wer die Fähigkeit und Kompetenz erworben hat, eine Leistung zu bringen, hat damit auch die Erwartung an die eigene Leistung entwickelt. Diese Leistung ist ohne Druck zu schaffen, zumindest unter der Möglichkeit, sich dem Druck zeitweise oder ganz zu entziehen, in der eigenen Anspannung und Entspannung Leistung zu bringen und sie dann anderen verfügbar zu machen.
Wer permanent unter Druck gerät, wird vielleicht nach Jahrmillionen zum Diamanten, ist aber per se tot. Er ist nicht mehr in der Entfaltung und nur was in der Entfaltung ist, ist lebendig.
leistung als folge
Wir sollten Leistung als Folge sehen, nicht als etwas, zu dem man durch Druck hingelangt.
Eine Leistung ist immer aus dem Inneren geboren und nie durch das Äußere erzeugt. In der Zusammenarbeit heißt das, dass viele freiwillig ihre Leistungen aus dem Inneren hervorbringen. Im natürlichen Zusammenspiel der verschiedenen Leistungen, ohne Wettbewerb und ohne Druck, entsteht ein gesunder Organismus, der sich weiter frei entfalten und über sich hinauswachsen will.
Da, wo Druck ist, werden schwer oder nicht überwindbare Grenzen geschaffen. Und an solch einer Grenze kann niemand über sich hinauswachsen.