Wer in seinem Feld etwas zu sagen hat, teilt seine Gedanken und benennt Entwicklungen. Thought Leadership macht sichtbar, dass jemand ein Thema wirklich durchdringen will.
Trotzdem greift es häufig zu kurz. Das Wort verspricht Führung. Aber Führung heißt, dass jemand mitgeht. Gedanken allein bewegen niemanden. Sie informieren nur.
Um Menschen zu Followern zu machen, braucht es mehr. Hier sehe ich drei Stufen, die im Zusammenspiel wirken.
gedanken ordnen die lage
Thought Leadership arbeitet aus der Distanz. Man beschreibt eine Entwicklung, sortiert Muster, bleibt dabei relativ neutral. Damit ist man mit seinen Gedanken vorne mit dabei, aber der Blickpunkt bleibt ein objektiver.
Das hat einen Preis. Wer nur denkt und sich nie festlegt, wirkt dröge. Man liest den Text, nickt und vergisst ihn wieder. Es fehlt die Stelle, an der jemand Position bezieht.
meinung macht (an)greifbar, und deshalb wirkt sie
Interessant wird es eine Stufe weiter, beim Opinion Leadership. Hier hat jemand nicht nur Gedanken zu einer Sache, sondern eine Meinung. Und er untermauert sie mit eigener Erfahrung und mit Beispielen, die er selbst erlebt hat.
Das kostet etwas: man wird angreifbar. Genau daraus entsteht Reibung. Reibung, die Aufmerksamkeit erzeugt und womöglich auch Anhaftung.
Auch diese Stufe hat ihre Grenze. Wer nur noch Meinung sendet, wirkt arrogant und überheblich. Am Ende steht Entfremdung. Zustimmung kommt von denen, die ohnehin zustimmen. Von allen anderen kommt Distanz.
mitgefühl holt die betroffenen ins bild
Die dritte Stufe ist Empathy Leadership. Hier entwickelt man ein Verständnis und ein Mitgefühl dafür, wie andere von dieser Realität betroffen sind. Das zählt besonders, wenn es darum geht, das Problem einer Gruppe zu verstehen und darauf einzugehen.
Empathie ist die Stufe, die am schnellsten kippen kann. Zu viel davon rutscht ins Mitleidige, lädt sich mit Gefühl auf und verliert die Sache aus dem Blick. In die Empörung darf sie auf keinen Fall gehen. Empörung klingt wie Anteilnahme, meint aber vor allem sich selbst.
das dreieck, nicht die einzelne ecke
Jede Stufe für sich führt in eine Sackgasse. Zu viel Gedanke wird dröge. Zu viel Meinung wird überheblich. Zu viel Mitgefühl wird aufgeladen. Das Ergebnis ist in allen drei Fällen dasselbe: wenig Resonanz und eingeschränkte Reichweite.
Die Balance zwischen den dreien ist der eigentliche Punkt. Der Gedanke gibt Substanz. Die Meinung gibt Richtung. Das Mitgefühl gibt Anschluss. Erst im Zusammenspiel entsteht Resonanz. Und aus Resonanz wird Vertrauen.
Zieh den Punkt. Wo stehst du gerade?
Thought Leadership ist nur eine Ecke, wenn es darum geht, Menschen zu Themen abzuholen und als Follower zu gewinnen. Wer in dieser Ecke stehen bleibt, wird gelesen. Wer sich im Dreieck bewegt, dem wird gefolgt.